Der englischen Kulturtradition verpflichtet, ist Simone Young die geborene Mittlerin britischer Tonkunst - ein Pfund, mit dem dezent zu wuchern sie sich nicht scheuen sollte. (...) Zugstück des 6. Philharmonischen Konzerts war das Cellokonzert von Edward Elgar schon deswegen, weil es die Wiederbegegnung mit der Cellistin Alisa Weilerstein verhieß, die hier in der vorigen Spielzeit mit Tschaikowskys "Rokoko-Variationen" eintzückte. Einer Wiedergängerin der unvergessenen Jaqueline du Pré ähnelnd, betörte sie ihr Publikum nun mit der Fülle sonoren Wohllauts, der ungezierten Natürlichkeit ihrer Wurf- und Springbogentechnik. Innig ihre Hingabe an Elgars Trauergesang auf sein Zeitalter, das in der Hölle von Verdun unterging - ein wenig zu rührsam vielleicht, um wahr zu sein. Ohne Taktstock modellierte Simone Young zu Beginn Veughan Williams' altertümlich klingende Streicherfantasie über ein Thema des englischen Renaissance-Komponisten Thomas Tallis (...) . In der Streichquartett-Episode dieser Fantasie - wie auch in Oliver Knussens sinnesverwirrten "Ophelia Dances" für neun Solisten, die Hamlets Seelenbraut ihrem feuchten Grab überantworten - glänzten neben philharmonischen Stimmführern die beiden Gastsolisten des Orchesters, NDR-Konzertmeister Roland Greutter und der Solobratscher der Bremer Philharmoniker, Boris Faust.

