Pressestimmen
23.November.2009 - Hamburger Abendblatt
Blue Notes am Vormittag
Der Trompeter Sergej Nakariakov und die Philharmoniker umkreisen die amerikanische Moderne
"Dirigierende Komponisten" heißt die Reihe, in der die Philharmoniker Hamburg immer mal einen zeitgenössischen Tonsetzer an ihr Pult holen. Am Totensonntag gastierte der Berliner Christian Jost. Zu diesem Datum wollte das Programm auf den ersten Blick nicht recht passen, war doch von dem Jazzmusiker Chet Baker und dem für seine Filmmusiken bekannt gewordenen Erich Korngold die Rede. Tatsächlich aber standen Trauer und die Einsamkeit des Einzelnen im Mittelpunkt - und die Trompete, die sich an diesem Morgen von ihrer gebrochen-melancholischen Seite zeigte. In Aaron Coplands "Quiet City" malten Stefan Houy und Melanie Jung als Orchestersolisten an Trompete und Englischhorn mit wenigen Motiven über kaum bewegten Streicherklangflächen ein Bild von so elegischer und zugleich kühler Kargheit, als wäre es von dem Maler Edward Hopper. Josts "Pietà - in memoriam Chet Baker", eine halbstündige Meditation für Trompete und riesig besetztes Orchester, wärmte nicht eins zu eins Erinnerungen auf; nur einige Wendungen und rhythmische Muster des Jazz klangen in der Solotrompete an. Sergej Nakariakov spielte sie wie für sich und farblich so nuanciert, dass man Chet Baker stellenweise singen zu hören glaubte.