Pressestimmen
28.Oktober.2009 - Die Welt
Russische Sternstunden der Philharmoniker
Bei "Sommernachtsträumen" denkt man an Shakespeare oder als Klassikfan an Mendelssohns berühmte Schauspielmusik. Mit beidem hat Alfred Schnittkes fantasievolles Orchesterstück "(K)ein Sommernachtstraum", das die Philharmoniker am Montag spielten, rein gar nichts zu tun. Eine Erinnerung an Wien, wo der russische, 1998 in Hamburg verstorbene Komponist als Junge für kurze Zeit lebte, sollte es sein, eine Hommage auch an den Sound der Wiener Klassik.

Allmählich kippt die kammermusikalische Schönklangseligkeit ins Bodenlose, und der russische Stardirigent Dmitrij Kitajenko, den die Philharmoniker für diesen Abend neben dem Klaviersolisten Rudolf Buchbinder engagiert hatten, war genau der Richtige für Schnittkes Transformationen von Pseudozitaten.

Auch bei Dmitri Schostakowitschs rätselhafter Sinfonie Nr. 5 d-Moll op. 47, die wie Schnittkes Musik voller Täuschungen und Blendungen steckt und brachiale Ausbrüche zu bieten hat, verharrte Kitajenko in seinem noblen, mit feinen Gesten arbeitenden Dirigierstil und wurde von den Philharmonikern in jeder Nuance verstanden. Für ein Fortissimo braucht dieser Dirigent keine ausladenden Körperbewegungen, sondern allenfalls zehn Zentimeter Luftraum. Wie Kitajenko erwies sich auch die Pianistengröße Rudolf Buchbinder in Sergej Rachmaninows virtuosen "Paganini"-Variationen op. 43 als ruhiger Klangformer. Nicht so feurig wie Alice Sara Ott, die das gleiche Stück vor zwei Wochen mit dem NDR Sinfonieorchester interpretierte, spielte Buchbinder die 24 Variationen, dafür mit Lust am Detail und in der hymnischen Des-Dur-Variation sogar mit einer guten Portion Pathos.