Gut, es waren nicht die Zeilen Shakespeares, die da erklangen, sondern eine eher saloppe Nacherzählung Michael Köhlmeiers, doch wer mochte sich schon das Schmunzeln verkneifen, wenn die verirrte Hermia plötzlich erleichtert aufatmete, denn: "Wo Männergebrüll, da Zivilisation ..." Und dass Simone Young und ihre Philharmoniker dabei die Ouvertürenklänge silbrig flirren, die Elfen und den Puck ebenso akkurat wie launig ihren Schabernack treiben, ja selbst den abgenudelten Hochzeitsmarsch furios aufwirbeln ließen, das machte diesen "Sommernachtstraum" Mendelssohns zum fantastisch-überdrehten Traumspiel.
Als Energiebündel ganz anderer Art hatte sich zuvor Midori in Brahms' Violinkonzert präsentiert: Ihr zwar leiser, doch ungemein durchdringender Ton ließ vom ersten Einsatz keinen Zweifel aufkommen, dass es der japanischen Geigerin um weit mehr als lupenreine Intonation und unerschöpfliche Virtuosität ging. Ein Spiel auf Leben und Tod, ein ständiges dynamisches An- und Abschwellen, aus dem sich am Ende doch ein Ganzes formte - großartig!

