Die war nicht nur zu sehen, sondern auch zu hören. Agil und präzise folgte ihm das Orchester durch die hochromantisch-gewichtige Musik. Nachdem sich die einzelnen Gruppen zu Beginn von Peter Tschaikowskys sinfonischer Dichtung "Francesca da Rimini" klanglich und rhythmisch zusammengefunden hatten, konnte Petrenko mit den Musikern machen, was er wollte - und er tat es: Er spannte den ganzen Saal mit endlosen Steigerungen auf die Folter und nahm sich die Zeit, auf dem Weg jedem Binnengedanken nachzuspüren. Mühelos schattierte er Dynamik und Klangfarben ab und meißelte immer andere Stimmen aus dem Gesamtgefüge heraus: Klangrede im besten Sinne. Selbst die Längen von Jean Sibelius' Fünfter Sinfonie wurden da nicht lang.
Das Herzstück aber waren die virtuos-grazilen Rokoko-Variationen von Tschaikowsky. Die junge Cellistin Alisa Weilerstein stürzte sich lustvoll und mit Mut zu Risiko und Materialgeräusch mitten hinein. Es störte nicht, dass sie nicht alle Gipfel mit letzter Klarheit erklomm. Mäuschenstill lauschte das Publikum ihrem innigen und kammermusikalischen Spiel. Und das will etwas heißen.

